Keine Frage: ein Riesenspaß
Der Münchener Musiker Titus Waldenfels gastiert im Roachhouse
Es gibt für Künstler durchaus einen dritten Weg zwischen der Reproduktion von Altbekanntem und der Darbietung von etwas komplett Neuem. Der Münchener Musiker Titus Waldenfels ist einer, der diese Gratwanderung sicher beherrscht. Unter dem vielversprechenden Motto „Bizarre Covers und eigene Lieder” trat er am Dienstagabend im Roachhouse auf.
Erstaunlich war es, dass trotz des Konzert-Datums mitten in der Woche und trotz bitterer Kälte plus Schneefall der kleine Raum – das sauber hergerichtete Wohnzimmer einer Altbauwohnung in der Richard-Wagner-Straße – rappelvoll war. Noch erstaunlicher war aber eben das, was Waldenfels zu Stande brachte.

Allein die Voraussetzungen waren schon beeindruckend. Eigentlich ist der Musiker ja von Hause aus Gitarrist. Das hieß aber nicht, dass er es nur bei diesem einen Instrument belassen hätte. Vielmehr fuhr der versierte Multi-Instrumentalist einen kleinen tönenden Gerätepark mit Gitarren, Banjo, Keyboard, Umhänge-Mundharmonika, Basspedal, Foot-Percussion und der skurrilen Stroh-Geige mit ihrem aufgesetzten Schalltrichter (benannt nach ihrem Erfinder August Stroh) auf. Vieles davon spielte Titus Waldenfels gleichzeitig und ersetzte damit buchstäblich spielend eine komplette Band.
Und weil er seine Instrumente sauber beherrscht, klang das Bemühen dieser nicht alltäglichen One-Man-Band auch rein technisch recht beeindruckend. Da wundert es kein bisschen, dass der fähige, seit gut 20 Jahren intensiv aktive Musiker bei anspruchsvollen Projekten, in Gruppen bekannter Jazzer und in bekannten Bands wie „Embryo” mitgemischt hat.
So breit sein Instrumentarium angelegt ist, so vielschichtig erschien an diesem Abend sein Repertoire. Man glaubte manchmal im besten Sinne seinen Ohren nicht trauen zu können, wenn Waldenfels etwa hinlänglich bekannte Melodien wie den 50er-Jahre-Klassiker „Memories Are Made Of This” (wohl besser bekannt als „Heimweh” in der Interpretation von Freddy Quinn) oder – dann nicht mehr allein – den Filmsong „Raindrops Keep Falling On My Head” mit all diesen Instrumenten interpretierte, sie reich verzierte, einzelne Töne darin absichtlich kunstvoll-schräg verschliff oder einfach gekonnt über deren Grundmelodie improvisierte.
Das war nun in der Tat ein atemlos machender Parforceritt durch jazziges, rockiges, bluesiges und sogar auch schon mal country-mäßiges Stil-Gelände – vermutlich hätte Waldenfels es auch fertiggebracht, einen Heavymetal-Titel auf diese ureigene Art ansprechend zu interpretieren.
Keine Frage: Für die Zuhörer war das ein Genuss. Allein das aktive Nachspüren hinter den manchmal nicht auf das erste Hinhören hin zu erkennenden Titeln machte schon einen Riesenspaß. Die generelle Qualität der Interpretationen erhöhte ihn nur noch. Das Ganze wurde sogar noch einmal gesteigert, als sich später zuerst Schlagzeuger Christoph Jung und dann in einer weiteren musikalischen Facette Sängerin Djulia zu Titus Waldenfels gesellte und den Rahmen des Ausdrucks noch einmal erweiterte. Alle Drei spielten an diesem Abend nicht zum ersten Mal zusammen, und die künstlerische Vertrautheit, die den einzelnen Darbietungen fühlbar zugute kam, war in jedem der Trio-Titel zu spüren.
Dabei beeindruckte besonders die ausdrucksstarke Singstimme Djulias in Nummern wie „Stand By Me” oder dem alten Marlene-Dietrich-Klassiker „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt”, die durch genau diese Art der intensiven Interpretation an Eindringlichkeit gewannen.
*Von Andreas Keller [RP, 9.02.2012]
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzische Volkszeitung
Ausgabe: Nr.34
Datum: Donnerstag, den 09. Februar 2012